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Das Leben ist verrückt oder?

Wir waren am Sonntag in unserem Garten. Nicht weit von der Gartenanlage führen Bahnschienen vorbei. Pro Stunde fahren gewiss 2 Züge hier, aber wir hören sie schon längst nicht mehr. Doch an diesem Sonntag klang das Bremsgeräusch anders wie sonst (der Bahnhof ist auch nicht weit). Es war ein abruptes quietschendes Bremsen, dass den Zug blockierend heftig zum Stehen brachte. Dann dauerte es nicht lange: Sirenengeheul, kreisende Hubschrauber, eine gesperrte Straße und eine unwirkliche Ruhe, weil kein Zug mehr fährt. Ein zitternder Lokführer raucht eine Zigarette nach der anderen und niemand weiß...
Was war geschehen? Ein Mann (jung bis mittleren Alters) hatte sich vor den Zug geworfen. Zwei Plastikplanen auf jeweils beiden Seiten des Gleises decken die sterblichen Überreste zu ...
Einige Meter weiter leuchtet ein weißer Turnschuh.
... und niemand weiß, ob die Zukunft des Lokführers nicht ebenfalls vorbei ist ...
Stunden später: Der Turnschuh leuchtet noch immer – rätselhafter weise übersehen – ein letzter Schrei, der den Fußgängern entgegen schrillt, die über die Brücke gehen und einen verstohlenen Blick zur Seite auf die Gleise werfen.
Die extrem hohe Arbeitslosigkeit, die nicht enden will, treibt hier viele Menschen in den Freitod ...
Wo die Zukunft fehlt, ist jede Vergangenheit schön und die Gegenwart eine Tragödie.
Das Komische, ja Makabre an diesem Ereignis ist noch folgendes: Als wir in den Garten gingen, war alles wie immer. Als wir den Garten verließen, sahen wir die Brücke und Straßen mit Wimpelketten geschmückt, weil im Ort, wie seit eh und je, das bekannte Brunnenfest am kommenden Wochenende stattfinden soll. Während die Wimpel fröhlich im Wind flattern ...
Das Leben ist verrückt oder?
22.5.06 22:20
 


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